Narkosemittel beim Windhund

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Autor Thema: Narkosemittel beim Windhund  (Gelesen 6227 mal)

Joker

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Narkosemittel beim Windhund
« am: 01.06. 2014, 22h09 »

Was ist ein passendes Narkosemittel für einen Windhund/ Whippet? Gelesen habe ich Inhalationsnarkose als Empfehlung. Es geht darum, dass ich bei meinem Whippet wohl einen Milchzahn ziehen lassen muss. Den Reißzahn oben links. Alle anderen Zähne hat er gewechselt, nur dieses kleine Ding sitzt fest. Der neue Zahn zeigt schon die Spitze. Eigentlich ein kleiner Eingriff, der aber eine Narkose erfordert.

Nach meiner Erfahrung reagieren unterschiedliche Rassen unterschiedlich auf Narkosen. Terrier zB sind sehr narkoseempfindlich.

Was empfehlt Ihr für Windhunde?

Joker
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Re: Narkosemittel beim Windhund
« Antwort #1 am: 02.06. 2014, 04h57 »

Narkose.
Ein weites Feld das wie mir scheint für uns Windhund-Besitzer hochemotional ist - weil
die meisten von uns wenig wirklich selber wissen und wir so gar keinen Einfluß haben in
dem Moment der Operation. OP ist nicht gleich OP. Jede Situation ist anders, eine
Narkose muß den Hund lange im bewußtlosen Zustand halten, ein anderes mal geht es
nur um ein paar Sekunden. Das mach natürlich Unterschiede, die auch entsprechend
unterschiedliche Möglichkeiten mit sich bringen.

• Grundsätzlich sind Barbiturate für die Narkose von Windhunden ungeeignet (das
weiß mittlerweile wohl jeder TA - also sowieso die, die für uns in Frage kommen werden).
Bei einem Auslandsaufenthalt kann es aber gut sein, sich vorher schlau zu machen weil
da hat man dann, wenn man schon zu einem Tierarzt fährt, in der Regel keine große
Auswahl und muß ggf. wirklich die Besonderheiten des eigenen Hundes weitergeben
können (in Englisch, in der Landessprache oder auch ggf. schriftlich..).

• Dann macht es Sinn, daß der TA eine Narkoseart wählt, mit der er Erfahrung
hat. Weil er dann schneller erkennt, wenn er handeln muß. D.h. de facto, man versucht
einen TA zu finden, der schon öfter Windhunde auf dem OP-Tisch liegen hatte und
Erfahrung gesammelt hat in seinem Beruf.

• Und dann gibt es die Gefahr einer Überhitzung (Hyperthermie) während der Narkose.
a) Zum einen wie der unten verlinkte Buch-Text beschreibt durch die Inhalationsnarkose
oder bestimmte Mittel (wie Ketamin) ausgelöst,
b) zum anderen die sogenannte
"Maligne Hyperthermie", die auf eine genetische Disposition zurückzuführen ist. Man kann
auf diese genetische Disposition vorab testen und ggf. bei Bedarf dann auf andere
Narkosemittel ausweichen, die diese Form der Überhitzung nicht auslösen...

Was mir für meine Prinzessin(Greyhound) mal empfohlen war, ist daß sie operiert werden
soll in einer Praxis, die die Blutwerte während der Narkose via Sonde im Blutkreislauf per
Computer überwachen kann - weil so eventuelle Komplikationen sofort "gemeldet"
werden und der operierende Arzt dann entsprechend schnell und richtig reagieren kann.
Das kostet aber natürlich und ist vermutlich für einen so minimalen Eingriff, wie einen
Milchzahn zu ziehen, völlig überdimensioniert. Bei uns ging es damals um die Kastration,
also eine längere OP mit viel komplexeren Momenten, die im Zweifelsfall auch nicht in 3
Sekunden abgebrochen werden können.
Vermutlich wird für das Ziehen von so einem Zähnchen etwas in Frage kommen, was
man auch für ein Ruhigstellen auf dem Röntgentisch verwenden würde (Propofol) - das
geht ja schnell, vermute ich  smiley.gif 


In
"Anästhesie und Analgesie beim Klein- und Heimtier: mit Exoten, Labortieren ... - 
herausgegeben von Wolf Erhardt,Petra Kölle,Julia Henke,Jörg Haberstroh,Christine
Baumgartner,Sabine Tacke
"
findet man Hinweise zur Speziesspezifischen Anästhesie  icon_arrow.gif.
Das Buch kostet für ganze 1000 Seiten zur Zeit grade mal läppische 130,- € und ist auch
als e-book nicht günstiger - also... als normaler Patientenbesitzer, denke ich, stecken wir
so eine Summe besser in einen kompetenten Tierarzt   wink.gif

Wer sich aber tiefer in das Thema einlesen will kann hier viel finden über Narkosemittel
und ihre Wirkung, Vorteile, Nachteile etc - unter dem Stichwort "Windhund" finden sich
dann Hinweise speziell auch für uns:
Skript Anästhesie Kleintier
Leider hab ich das aktuell nicht mehr als PDF gefunden, aber online kann man es lesen
und sich ein Bild machen zu den einzelnen Narkosemitteln und Verfahren.

Speziell Greyhound-Narkose-Hinweise hab ich in meinen Unterlagen auch noch gefunden:

GREYHOUND ANESTHESIA - Suzanne Stack, DVM (PDF, 119 KB)

Making Anesthesia Safe for Greyhounds (PDF, 16,7 KB)

Facts Concerning Greyhounds and Anesthetic Protocols (PDF, 19,6 KB)


Und last not least von der Seite des deutschen Renn-Greyhound-Zwingers
Monarchenhügel ein Zitat, das Deine Frage beantworten könnte:

Als Kurzzeitnarkoticum eignet sich Propofol am Besten und für eine
größere OP ist eine Inhalationsnarkose oder TIVA (totale intravenöse
Anästhesie) am geeignetsten.


Ich werde einen Teufel tun, eine Empfehlung zu geben für eine bestimmte Narkose,
außer daß man das Thema mit einem kompetenten Tierarzt bespricht. Jemand, der
einen Windhund operiert, weiß da sicher mehr dazu, als ich Laie. Ein bisschen was zu
wissen schadet aber sicher nicht für so ein Gespräch oder eben den Urlaub...   


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Joker

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Re: Narkosemittel beim Windhund
« Antwort #2 am: 03.06. 2014, 16h31 »

Grds vertraue ich meinen TÄen, aber ... immer wieder entdecke ich, dass sie manches nicht wissen, wie zB dass man Cortison bei einem Terrier nur sehr gering verabreichen sollte und auch bei Narkosen erstmal gering anfängt.

Es ist nach meiner Auffassung sinnvoller sich als Tierbesitzer mit den speziellen gesundheitlichen und charakterlichen Eigenarten a) der Rasse und b) des speziellen eigenen Tiers vertraut zu machen, um dem TA auch mal eine geeignete Frage zu stellen und Hinweise geben zu können. Ich will dem TA nicht die Narkose vorschreiben, aber ich möchte darauf hinweisen können, dass zB Windhunde einen anderen Metabolismus als Retriever haben und den TA bitten, daran zu denken.

Schließlich möchte ich ein mündiger Patientenbesitzer sein  smiley.gif.

Joker
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