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Hunde gehören zu dem Karnivoren, d.h. Sie fressen ...:

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Zusammenfassung

Autor: Oval 5
« am: 24.06. 2013, 01h08 »

Workload for the retired racer
oder - Wieviel Bewegung braucht der ehemalige Rennhund?


Zu der Thematik gibt es im Netz so viel unfundierten Quatsch, daß ich beschlossen habe
mal ein paar Fakten und Gedanken so zusammenzustellen, daß daraus eine Antwort
entsteht, mit der man sich für den eigenen ExRacer einen klaren Plan machen kann. Oder
die einem hilft bei der Entscheidung, ob und wenn ja welcher Greyhound der Richtige ist
für die eigenen Voraussetzungen und Wünsche.



Fangen wir mal an mit den Ansprüchen, die der Mensch an seinen Renn-Grey stellt,
dann wird das alles etwas klarer.


Solange der Greyhound ein Rennhund ist
erwarten seine Besitzer, Trainer und auch die Zuschauer, daß er auf den Auslösereiz hin
ohne sich ablenken zu lassen so schnell als nur irgend möglich versucht das Ziel der
Begierde zu erreichen. Er soll sich vor nichts fürchten, also hält man ihn von möglichen
Verletzungsquellen meist fern, der Untergrund wird so gewählt, daß Verletzungen
möglichst unwahrscheinlich sind. Seine Aufgaben beschränken sich auf eine Leben in
einer zweidimensionalen Welt. Die dritte Dimension ist reiner Luxus.
Für die Bewegung heißt das: Von Null auf 100 in no time, abrufbar ohne Verzögerung in
voller Leistung. Die Distanz der Rennstrecke soll bewältigt werden in
Höchstgeschwindigkeit, eine größere Ausdauer ist weder erforderlich noch erwünscht.

Ist der Greyhound aus dem Renngeschehen ausgeschieden und wird als Familienhund
gehalten stellen wir Menschen ganz andere Anforderungen an die Bewegung DES
GLEICHEN HUNDES.
Nun soll er möglichst auch lange Spaziergänge ohne große Belastungserscheinungen mit
machen, soll bitte nicht zu schnell über die Wiesen laufen, seine Geschwindigkeit den
Gegebenheiten anpassen, vorsichtig sein, Hindernisse rechtzeitig wahr nehmen und sich
zurücknehmen! Er soll Angst haben vor dem, was ihn verletzten könnte (viele nennen
das dann "intelligent" oder "mitdenken") - und er soll jetzt auch rauf und runter.


Der Anspruch des Menschen an den Hund (den selben! Grey) dreht sich also um etwa 180° !
Und das in nur wenigen Tagen, manchmal Augenblicken.

Nicht daß es falsch wäre den Anspruch zu ändern - der ergibt sich einfach aus der Veränderung
der Lebensumstände. Falsch ist nur zu erwarten, daß dieser Wandel ohne unser Zutun
reibungslos und am besten ohne Übergangsphase verläuft.

 



Der Greyhound hat zwei verschiedene Formen von Muskelfasern, die den Charakter
seiner Muskulatur prägen.

Zum einen die ausdauernde, flacheren, längeren etwas langsameren Muskelfasern,
die den Ansprüchen des Familienhundes entgegenkommen
zum anderen die schnellen, runden, kürzeren Muskelfasern, die die für den Sprint in
Höchstgeschwindigkeit nötige Bewegung ermöglichen.
Ausführlicher beschrieben u.a. von Tom Meulman und hier in einem aufschlußreichen
Artikel in meiner deutschen Übersetzung nachzulesen.


Als Besitzer eines von der Rennbahn kommenden (oder dafür aufgezogen/ausgebildeten)
Rennhundes ist es also unsere Aufgabe seine Muskulatur in einer angemessenen Zeit
umzustrukturieren und ihm ABGESICHERT die Gefahren des Lebens als Familienhund in
kleinen Portionen nahe zu bringen, damit er sich ANSCHLIEßEND im Freilauf nicht mangels
Erfahrung und passender Muskulatur das Leben nimmt.



Futterumstellung
In dem oben verlinkten Text von Meulman sind die wesentlichen Punkte bereits enthalten:
Das Futter soll weniger reichhaltig sein als es für Rennhunde üblich ist.
Persönlich bin ich mit etwa 24 % Protein und einem dazu passenden Fettgehalt wie er im
handelsüblichem Fertigfutter für erwachsene Hunde üblich ist gut gefahren.
Zu viel Kohlenhydrate ist nicht gut, da sie beim Sprint die Säurebildung im Blut begünstigen
und damit die Gefahr der Greyhoundsperre vergrößern. (Auch deshalb bin ich strikt gegen
jeglichen Versuch den ExRacer vegetarisch zu ernähren - es ist sowieso pervers einen
Karnivoren zum Vegetarier zu machen - aber das ist wirklich ein anderes Thema.)

Wir stellen den ExRacer also vom Futter her um auf das was er als normaler, normal
ausgelasteter erwachsener Hund braucht (außer natürlich wir hätten einen Welpen
übernommen!!). Sorgen nebenher dafür, daß alle eventuell durch vorherige Überbe-
lastungen entstandenen Lücken in der Nährstoffversorgung geschlossen werden (man
sieht das dem Hund an ob er Nährstoffmangel hat/hatte - am Zustand von Fell, Krallen,
Haut, manchmal Zähnen... es gibt durchaus auch tiptop gepflegte und versorgte Renn-
hunde die nie im Leben Mangel gelitten haben! das als Nebensatz an die "Obertierschützer"
bei denen jeder Rennhund arm ist weil er das tut wozu er gezüchtet worden ist und was
er am besten kann.)



Wenn wir das alles soweit hin bekommen haben fangen wir nun an die Art der
Bewegung langsam aber sicher zu verändern.


Ist der Grey bis dahin eher konzentriert schnell bewegt worden (je nach Vorbesitzer auf
den Laufband oder in ca. 20 minütigen strammen Spaziergängen und zusätzlichen Sprints
sowie Rennen oder Trainingsläufen)
nehmen wir den Hund AN DIE LEINE (am Anfang bitte wirklich lange genug an der Leine)
und die Geschwindigkeit ein wenig raus.
Der Hund kann stückweise weitere Strecken und vor allem länger unterwegs sein(1). Er muß
lernen mit den unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten zurecht zu kommen -
Kieselsteine am Baggersee oder Fluß sind eher später angesagt wenn sich die Muskulatur
der Zehen bereits gefestigt hat auf einer bunten Mischung aus Asphalt, Wiese, Parkwegen,
Waldboden, Schotterwegen etc.
Geht das ordentlich und zunehmend auch länger, wird es Zeit die dritte Dimension einzu-
fordern. Das kommt wirklich extrem auf den einzelnen Hund an, wie lange das dauert
und wie gut das klappt - der eine macht es auf Anhieb, der nächste versteht die Welt nicht
mehr. (2)
Als Ziel denke ich kann man ein Gesamtpensum von etwa 2 Stunden oder 8-10 km als
tägliche normale Auslastung für einen gesunden Greyhound ansehen, der nicht mehr an
Rennen teil nimmt. Eben wie für einen anderen Familienhund vergleichbarer Größe. Das
lastet den Grey aus ohne ihn bei entsprechender Vorbereitung zu überlasten.


Die Veränderung des Körpers braucht Zeit
Bis wir all die verschiedenen Untergründe in den verschiedenen Wetterverhältnissen und
in den unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Übergangs mehrfach gemeistert haben
vergeht eine gute Zeit. Zeit in der der ExRacer bitte nur in wirklich definitiv wildfreiem
Gelände mit möglichst perfekten Bodenverhältnissen frei laufen soll und auch nicht zu oft.

Es macht keinen Sinn, diese Zeit verkürzen zu wollen.

Zum einen
weil sich die Muskulatur überall da, wo sie bisher nicht besonders ausgebildet war (z.B.
Zehen bei reinen Rennbahnhunden) nur stückweise aufbaut und bis sie nicht belastbar ist
Verletzungen sehr leicht passieren.
Zum anderen
weil die schnellen Muskelfasern, die bis dahin für die Rennen hoch-trainiert gewesen sind
jede Anregung willkommen nutzen um sich in null komma nix wieder hoch zu trainieren,
wir aber genau das nicht wollen um den Grey aus seiner "Überschallgeschwindigkeit"
heraus in eine "geländeverträgliche" Geschwindigkeit zu bekommen.

Die Taktik ist sozusagen genau umgekehrt als beim Training für die Rennbahn:
Wir reduzieren die Belastung für die schnelle Muskulatur,
erhöhen die für die langsameren, flacheren Muskelfasern
und verändern auf dem Weg die Struktur der Muskeln.
Nicht so weit, daß der Grey aussieht wie ein Mehlsack (davon gibt es leider viel zu viele)
aber doch so weit, daß der Hund seine extrem schnelle Auffassungsgabe während der
Sprints im Freilauf dann nutzen kann um Hindernisse und Gelände richtig einschätzen zu
können und sich daher nicht so leicht verletzt.



Das braucht alles eine ganze Weile. Ich bleibe hier vage in der Formulierung weil es
natürlich ganz extrem auf die Ausgangslage ankommt, was wie lange genau braucht. Ein
Coursing-Grey wird ganz andere Fähigkeiten mitbringen als ein Grey von der Rennbahn.
Ein junger, nie richtig im Renngeschehen angekommener Grey, der vielleicht einfach
nicht schnell genug war wird wahrscheinlich schneller lernen als eine 6 oder 7 Jahre alter
echter Spitzensportler am Ende seiner Karriere.



Man wird, je nach dem wie viel man selber bereit ist zu tun für so einen Hund, versuchen
einen passenden Grey zu finden, nicht den einen haben wollen nur weil er eben hübsch ist
und "schon passend machen". Auch das ist Tierschutz. Der Hund muß sich anpassen,
aber man braucht es dem Hund nicht schwerer machen als nötig, indem man das absolute
Gegenteil der eigenen Ansprüche sucht, sondern vielmehr versuchen unter den vielen in
der Vermittlung befindlichen den bestgeeigneten suchen und dem dann helfen den Übergang
zu bewältigen ohne Schaden zu nehmen.


 
Als Halter sind wir verantwortlich unsere Hunde so zu halten, daß sie mit den von
uns gestellten Anforderungen zurecht kommen können.

Der Hund muß sich nicht fangen lassen wenn er weg gelaufen ist, sondern wir müssen
dafür sorgen, daß er nicht davon laufen kann und ihn, wenn es doch passiert, wieder
einfangen.
Die Verantwortung liegt bei uns - oder wie es Tom schreibt:
"Everything that happens to a greyhound can only happen because of an action or inaction
by its carer, so don’t blame the greyhound when it all goes wrong."

Alles was dem Greyhound widerfährt kann nur aufgrund einer Handlung oder Unterlassung
seines Halters passieren, also mache nicht Deinen Greyhound dafür verantwortlich, wenn
alles schief läuft.


Das gilt gleichermaßen ob der Hund als Rennhund im Wettbewerb läuft oder als Haushund
im Freilauf auf der Wiese im Stadtpark!
© Oval@greyts.eu


(1)
Wie lange Strecken wann möglich sind muß man individuell beurteilen. Ein Hund der z.B. im
Tierschutz monatelang kaum Bewegung hatte, oder in einem Schuppen vor sich hin vegetiert
hat weil er als Rennhund nicht mehr tauglich war, stellen völlig andere Bedingungen als ein
direkt von der Bahn kommender hochtrainierter Rennhund.
Bedingungen die man berücksichtigen muß beim Übergang zu einem normalen, gesunden
Maß an Bewegung für den retired racer.   

(2)
Bietet der Hund von sich aus an etwas erleben zu wollen machen wir das in dem Moment
natürlich wo möglich gleich - abgesichert und ohne Überbeanspruchung, nicht nach Plan
irgendwann...  logisch hoffe ich :-) 


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