Für die Hetzjagd geboren mit der Liebe zu rennen

greyTs livingroom

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Autor Thema: Für die Hetzjagd geboren mit der Liebe zu rennen  (Gelesen 1754 mal)

Oval 5

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Die Rennleute haben es satt, diffamiert und durch den Dreck gezogen zu
werden von Menschen, die viel weniger Ahnung haben als der Großteil der
professionellen Rennhund-Besitzer, -Trainer und -Züchter. Es gibt schreckliche
Zustände an manchen Stellen, keine Frage, aber die generelle Verurteilung und
Diffamierung basiert a) auf Unwahrheit und ist b) ein Fall von Sippenhaftung.
Wer sich für moralisch korrekt hält, sollte da schon Probleme haben müssen.

Jetzt formiert sich in Australien erstmals scheinbar deutlicher Widerstand,
nachdem ein Verbot für kommerzielle Rennen für kommendes Jahr angekündigt
worden war. Ich bin gespannt, wie viele Zahlen außer denen im Video im Lauf
der kommenden Monate endlich auftauchen werden. Denn das ist ja überall das
große Problem: Jeder hantiert mit irgendwelchen Schätzungen, weil keine Fakten
veröffentlicht werden. 

Zitat von: [youtube]https://www.youtube.com/watch?v=PVKVFMSwOt0[/youtube]


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Oval 5

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Re: Für die Hetzjagd geboren mit der Liebe zu rennen
« Antwort #1 am: 02.08. 2016, 23h48 »

Mythos versus Wirklichkeit

Zitat von: [youtube]https://www.youtube.com/watch?v=AFX2X8OdSC8[/youtube]
Australian Greyhound Myths and Facts



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Joker

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Re: Für die Hetzjagd geboren mit der Liebe zu rennen
« Antwort #2 am: 06.03. 2017, 15h43 »

Hey, ich war ewig nicht hier. Meine Hunde haben mich ordentlich auf Trab gehalten, der Beruf auch. Und wie schon früher ist es hier im Forum wahnsinnig interessant. Am kommenden Mittwoch fliege ich nach Birmingham und Donnerstag besuche ich dann in aller Frühe die Crufts und werde mir einen Tag Hounds ansehen. Sprich, Windhunde und Terrier. Natürlich auch die Greyhounds. Und wieder werde ich darüber staunen, wie mächtig der Show Grey ist und wie wenig Ähnlichkeit er mit einem Racer hat. Daher interessieren mich die Filme hier über die Rennindustrie und "Fakten und Mythen" sehr. Die Rennindustrie muss sich gar nicht über die Ablehnung, die ihrem Sport entgegenrollt wundern. Zu lange hat sie Missstände, die immer in Vereinen vorkommen, ignoriert, bagatellisiert und vertuscht.
Hätte sie die Auswüchse beschnitten und sich transparenter verhalten, dann wäre die Ablehnung jetzt nicht so groß.
Mir fehlt in den Filmen eine Antwort darauf, was mit den Welpen passiert, die "über" sind. Was ist mit ausgedienten Zuchthündinnen und -rüden? Was passiert allgemein mit Hunden, die nicht tödliche Verletzungen, wie Zerrungen, Stauchungen, Prellungen, Brüche, Kapselverletzungen erlitten haben und nicht mehr für den Profisport taugen? Werden Hunde massenhaft ins östliche Ausland verkauft, wo noch das letzte Quäntchen Leben aus ihnen rausgepresst wird? Was für ein Leben führen die Hunde außerhalb der Rennbahn? Kennen sie Spaziergänge im Grünen? Haben sie einen Freilauf am Kennel oder gibt es für sie nur Beton und den Belag der Rennbahn? Allgemein: Wie lebt der durchschnittliche Rennhund und was passiert am Ende der Karriere?
Darauf gibt die Industrie keine Antwort.
Ich wünsche mir, dass der Renngrey erhalten bleibt und nicht mit zB Galgo vermischt wird oder es nur noch den Showtyp gibt. Aber nicht auf dem Rücken und Leid der Tiere. Nein, ich neide der Industrie um den Renngrey nicht den Profit. Aber dann müssen sie den Hunden auch etwas zurückgeben, sie anständig halten und auch dann versorgen, wenn sie ausgedient haben. Es müssen Züchter und Trainer mit ernsthaften Strafen angehalten werden die Tiere anständig zu behandeln. Im Übrigen wünsche ich mir das gleiche für die Galgos in Spanien. Deren Leid ist öffentlich. Mir scheint oft, dass das Leid der Greys im Geheimen abläuft und verharmlost wird. Es ist nicht auszuschließen, dass ohne Profisport der Grey in seiner Rennerscheinung zum Untergang verdammt ist. So wie es für die Pferde ohne den Turniersport und daraus entstehend den Breitensport geendet hätte.
Für einen Grey im Freilauf ist unsere jetzige Welt zu klein, zu eng und zu reglementiert. Es sind besondere Hunde, die an Privatpersonen besondere Ansprüche stellen, die nur schwer zu erfüllen sind. Hier bei mir gibt es keinen einzigen Windhundauslauf, der gesichert wäre. Meinen eigenen Gartenzaun könnten meine Hunde mühelos überspringen, wenn sie wollten. Für mich käme ein Grey nie In Frage, mal abgesehen davon, dass man an mich auch keinen vermitteln würde, weil ich nun mal lebe, wie ich lebe.
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Oval 5

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Re: Für die Hetzjagd geboren mit der Liebe zu rennen
« Antwort #3 am: 06.03. 2017, 18h15 »

Hy Joker :)

Stimmt, Du warst wirklich ewig nicht da.

Deine Anregungen - wenn man das so sagen will - treffen denk ich ziemlich genau den
Kern. Die Bedingungen der unrentablen Hunde ist das Thema, mit dem sich der
Tierschutz und damit die Kritiker der Greyhound-Rennen vornehmlich beschäftigen. 

Die Antworten auf jede einzelne Deiner Fragen wird allerdings nie von allen Beteiligten
gleich beantwortet werden, selbst wenn sie es ehrlich täten. Ganz einfach, weil es in
jedem einzelnen Zwinger unterschiedliche Bedingungen geben wird. Da gibt es unter
Garantie Kennel und Besitzer, die bezüglich der Haltungsbedingungen genau Deine
Vorstellungen haben oder diese sogar übertreffen. (Die Videos kommen aus Australien
und Land ist da eigentlich nicht unbedingt Mangelwaare.) Es wird Kennel geben, in
denen der Zugang zu den Ausläufen nur nachts geschlossen ist (und dann zum Schutz
der Hunde)
und andere, in denen Deine schlimmsten Befürchtungen traurige Realität sind.

Ich denke, es geht nicht darum, etwas schön zu reden. Es geht aber in diesen Videos
darum, daß die Seite der Tierschützer gerne, massiv und weltweit agierend jedem
professionellen Renn-Greyhound Züchter, Besitzer, Trainer etc. die immer gleichen
Vorwürfe machen, ohne auch nur im Ansatz über einen Differenzierung nachzudenken.
Und ja, da bin ich dann mal auf der Seite derer, die sich nicht für die Verfehlungen
anderer anschwärzen lassen wollen.   
Das immerwährende Geschrei nach einem Verbot der Rennen als einzige Möglichkeit
ist z.B. etwas, was ich schlicht und ergreifend falsch und diffamierend finde.

Wenn "unsere jetzige Welt", wie Du schreibst für den Freilauf eines Greyhound "zu
klein, zu eng und zu reglementiert
" ist, denke ich, haben wir zwei schon einen
unterschiedlichen Begriff von "Welt".
Es gibt - das hatte ich ja schon selber - sogar in Deutschland durchaus Gegenden, in
denen man auch ohne eigenen Garten einen Greyhound ausreichend frei laufen lassen
kann. Und die Welt ist dann doch viel, viel größer, als Deutschland. Überall geht es
aber nicht, da geh ich mit Dir.   
Dann gibt es durchaus die Möglichkeit darüber nachzudenken, ob man bei uns nicht
vielleicht längst zu viel reglementiert. Daß sozusagen etwas mehr Freiheiten auch den
Menschen gut täten.

Viele Gesprächsgrundlagen ...  wink.gif
für hoffentlich interessante Diskussionen ..


Für Deinen Besuch auf der Crufts wünsch ich Dir viel Spaß.
Vielleicht schreibst Du uns mal einen Bericht aus erster Hand, wenn Du zurück bist.
Eventuell genauso kritisch, wie ich es von Dir kenne und Du es eben wieder vorgemacht
hast. Hier darf man ja schreiben, was man denkt.


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Joker

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Re: Für die Hetzjagd geboren mit der Liebe zu rennen
« Antwort #4 am: 07.03. 2017, 12h32 »

Ich stimme zu, dass eine pauschale Verurteilung der Rennindustrie, mit allem was damit verbunden ist, fehl geht. Es ist auch verständlich, dass Züchter und Halter nicht pauschal verurteilt werden möchten. Selbstverständlich ist es, wie in jedem Verein, ein buntgemischter Haufen Menschen mit ihren eigenen Vorstellungen über Hundehaltung. Ich selbst will niemandem etwas verbieten. Schon gar nicht will ich kommerzielle Rennbahnen verbieten. Dann müßten auch entsprechende Einrichtungen im Reitsport, wo es auch zu abstoßenden Bedingungen kommt, verboten werden. Abgesehen davon, wann immer etwas verboten wird, taucht es an anderer Stelle in einem noch schlimmeren Gewand wieder auf. Lieber erlaubt, aber genormt.
Wie wäre es denn, wenn es Mindestansprüche gebe, die in einem Reglement ausformuliert werden würden? Schon diese Mindestansprüche zu formulieren dürfte Jahrzehnte dauern, aber einen Versuch wäre es wert. Meine Ansprüche wären zB gering:
Jeder Hund hat das Recht auf wenigstens 2x täglich 30 minütige angeleinte Gassigänge außerhalb eines Zwingers, in denen er schnüffeln und sich lösen kann. Jeder Hund hat Anspruch auf ausreichend Futter und Wasser und medizinische Versorgung. Jeder Hund hat Anspruch auf ein Mindestmass an Platz in seinem Lebensbereich. Jeder Hund hat Anspruch auf angemessenen Schutz vor Hitze, Kälte und Nässe. Würfe sind mit Anzahl der Welpen zu registrieren. Welpen sind insgesamt zu chippen. Ihr Lebensweg ist, ähnlich wie bei Kühen und Schafen, nachzuweisen, wenn sie auf die Rennbahn sollen. Die Entsorgung überzähliger Welpen/ Hunde ist nachzuweisen und zu erfassen. Für Zuchthündinnen muss es ein Höchstalter geben und eine Begrenzung der Würfe.
Schon die Deutung des Wortes "angemessen" kann unter Hundehaltern zu Mord und Totschlag führen. Trotzdem sollte sich die Rennindustrie  aus Eigenschutz auf Standards verständigen und darauf, dass Mitarbeiter eingestellt werden, die jeden Kennel, der im Übrigen zu registrieren ist, wenn er teilnehmen will, 1x jährlich ohne Voranmeldung kontrollieren. Verstöße sind zu registrieren und je nach Häufigkeit und Schwere zu strafen, durch Geldbußen, Sperren, Entzug der Hunde, Verbot der Hundehaltung oder Trainingsverbot.
Selbstverständlich wird es trotzdem immer wieder schwarze Schafe geben, das ist nun mal so, es liegt in der menschlichen Natur, den scheinbar kürzesten Weg zu wählen. Aber langfristig könnte es das Renommee verbessern und das Leben der Hunde, die nicht optimal gehalten werden.
Meine Welt kann nur die Welt sein, in der ich mich ständig aufhalte und mit deren Bedingungen ich zurechtkommen muss. Und das ist nun mal an meinem Wohnort. Beispiel: Zwischen meinem Haus und dem Wald ist ausreichend Platz. Allerdings kommt das Wild seit über einem Jahr aus dem Wald bis an die Häuser. Da daddelt der Fuchs am Graben und die Rehe stehen nur einen Steinwurf entfernt. Lasse ich meine Hunde frei laufen? Ja. Ich starre mir allerdings vorher die Augen aus dem Kopf, um mich zu vergewissern, dass die Rehe hinter einem Hügel stehen oder irgendwo liegen oder nicht da sind. Selbst dann lasse ich meine Hunde nicht mehr gleichzeitig frei. Den Whippet lasse ich ohnehin nur noch mit Maulkorb frei. Er ist trained by Terrier und  schnell und ausdauernd. Das handelsübliche Reh holt er noch ein, wenn ich ihm die Hinterbeine fessele. Es gab eine einzige Stelle, die garantiert Rehfrei war. Jetzt ist diese seit 2 Monaten ebenfalls von Rehen besetzt, obwohl es das heimische Gassigebiet für unzählige Hundehalter ist, die dort ihre Hunde frei laufen lassen. Da ist den ganzen Tag Bewegung durch Jogger, Radfahrer, Mütter mit Kindern, Drachen steigen lassen und eben Hunde. Trotzdem lungern die Rehe da rum. Die letzten 2 Winter waren definitiv zu mild.
Und hier gibt es richtig Ärger, wenn ich dabei erwischt werde, dass mein Hund Rehe hetzt. Selbst dann, wenn es nicht mein Plan war, wir ordentlich auf dem Weg geblieben sind und die Rehe über unseren Weg hüpfen. Wie soll mein Hund da widerstehen? Mal abgesehen davon, dass sich meine Begeisterung darüber sehr in Grenzen hält. Die Verletzungsgefahr für meinen eigenen Hund ist erheblich und auch die blöden Rehe haben ein Recht zu leben bis sie ordnungsgemäß vom Jäger erlegt werden. Es gibt für mich Schöneres als zu sehen, dass mein Hund es geschafft hat aus einer Gruppe von 6 Rehen eines auszusondern und dieses bis über den Horizont zu jagen. Da hilft mir mein Wissen, dass a) dort definitiv keine Straße verläuft b) er einen Maulkorb trägt und nicht verletzen/ töten kann und c) er in jedem Fall binnen spätestens 15 Minuten wieder bei mir ist, wenig. Es ist für den Hund und das Reh gefährlich. Und es ist verboten. Und und und ...
Deshalb meine ich, dass meine Welt zu klein ist.
Tatsächlich habe ich, gemessen an der Dichte der Straßen, ausreichend Platz, jede Menge sogar. Aber gemessen am Wildbesatz habe ich aktuell zu wenig Platz, wobei hier noch nie so viele Rehe so offen zu jeder Tageszeit zu sehen waren wie die letzten 2 Jahre (ein Wolf würde locker satt werden, aber das ist ein anderes Thema  wink.gif).
Ich wünsche mir mehr Freiheiten, aber wie soll das funktionieren, ohne dass ich die Rechte anderer verletze?
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