Pilzsaison 2020 ... oder wie man seinen Becquerel-Haushalt reguliert

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Autor Thema: Pilzsaison 2020 ... oder wie man seinen Becquerel-Haushalt reguliert  (Gelesen 212 mal)

Oval 5

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Meine Großmutter war eine gute Pilzkennerin, also gab es Pilze aus dem Wald bei uns im Herbst immer mal.
Bis Tschernobyl.

Seitdem war ich nicht ein einziges Mal mehr Pilze sammeln gegangen. Das Kapitel hatte sich auf Zuchtchampignons und Austernpilzen und alle Jahre mal ein paar Eierschwammerl (echte Pfifferlinge) aus dem Handel reduziert und das Leben war wieder um eine Facette ärmer geworden.

Jetzt ist dieses Jahr ja eh schon alles anders und dazu eine gigantische Pilzsaison inzwischen fast vorbei. Wo immer man hinschaut im Wald und auf den Wiesen, sogar in Moospolstern auf Betonplatten findet sich eine Unzahl unterschiedlichster Schwammerl und Pilze. In den begehrtesten Waldflecken standen wochenlang Autos von Pilzsammlern und nachdem uns dann neulich beim Spaziergang auch noch Maronenröhrlinge über den Weg gelaufen sind, hat es nach rund 30 Jahren auch bei uns mal wieder Pilze zu essen gegeben!
Sicherheitshalber hab ich ein Exemplar meiner pilzsachverständigen Nachbarin mitgebracht. Die hat bestätigt, daß das eine Braunkappe ist (Maronenröhrlinge haben neben dem lateinischen Namen Imleria badia zahlreiche Trivialnamen) und auch, daß sie hier unangenehm nur mit dem Satanspilz verwechselt werden könne. Alle anderen Röhrlinge seinen hier Ungiftige.

Also hab ich mir meinen Hund geschnappt, bin mit dem Rad in den Wald gefahren und dann haben wir gesammelt. Das ging schnell - wie gesagt: Die Saison 2020 ist gut!   






Wenn man die Lamellen drückt, oder das Fleisch des Hutes, wird es blau. Daher auch der weitere Name Blaupilz.




Auf die Antwort der Gesellschaft für Strahlenschutz zu den aktuellen Belastungen hier vor Ort mit Cäsium 137 und 134 und den zugehörigen Becquerel-Werten (die letzten veröffentlichten Werte auf der Internet-Seite des Landes sind 10 Jahre alt) warte ich noch. Schlimmer als damals wird es wohl nicht geworden sein und auch wenn die Maronenröhrlinge zu den noch immer vergleichsweise stark belasteten Pilzen gehören, sollten die Werte etwa im Rahmen dessen liegen, was als natürliche Strahlung zu verkraften ist - wenn man es halt nicht übertreibt.


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Oval 5

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So, die Gesellschaft für Strahlenschutz war schnell mit Ihrer Antwort.

Über eine aktuelle Arbeit vom September 2020 ...
Radioaktive Kontamination von Speisepilzen
(Stand: 2020, Messwerte 2017 bis 2019)
Abteilung UR
Umweltradioaktivität
von
Eva Kabai
Alexander Hamer
Angela Poppitz-Spuhler
Martin Steine


... konnte ich mir die Belastung der hiesigen Gegend durch die Legende einer Fallout-Karte von 1986 nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl heraussuchen. Demnach lagen die Werte 1986 hier zwischen 6000 und 8000 Bq/m².   
Die Strahlungs-Werte für die Maronenröhrlinge hier sollte demnach unter denen des Standort 1, 2 und 3 in der Karte der Bayrischen Meßstellen liegen und damit in einem vertretbaren Rahmen - wenn man es halt nicht übertreibt.
Ganz strahlungsfrei sind Pilze wahrscheinlich nirgends, was das Thema nicht unbedeutender macht.



[1]


Wie man an den Werten der Meßstelle 4 (Aufham und Högl) ablesen kann, kommen leider an einzelnen Standorten auch recht unterschiedliche Werte selbst bei der gleichen Pilzart vor. Man muß also leider noch immer achtsam sein - oder halt in Kauf nehmen, daß Strahlung ganz abscheuliche Nebenwirkungen haben kann und man leider nie weiß, ob die Strahlung, die man sich antut, vielleicht obwohl gering nicht doch Folgen haben wird.

Strahlenschäden sind häßlich!


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