Wie geht es weiter wenn der Streuner wieder zurück ist?

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Autor Thema: Wie geht es weiter wenn der Streuner wieder zurück ist?  (Gelesen 1800 mal)

Oval 5

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Wie geht es weiter wenn der Hund wieder zurück ist?
 
Nachdem ich zur Zeit ja alle Woche ~einen entlaufenen Windhund hier einstelle, möchte ich
mal ein paar Worte dazu verlieren, wie es weiter geht, wenn man den Hund dann wieder hat...


Man hat also den Hund verloren, alle Welt kirre gemacht (und sich selber meistens besonders),
mit etwas Glück Hilfe bekommen bei der Suche - und igendwie ist der Hund dann doch wieder
unter Kontrolle geraten. Dazu vielleicht ein anderes Mal noch mehr. Ein bisschen was findet
sich hier dazu schon...


Je nachdem, was in der Zeit bis der Hund wieder gefunden ist los war, kann das ganz
unspektakulär sein, oder auch einen Rattenschwanz ganz, ganz unterschiedlicher Folgen haben.


Vorweg:
Ich hoffe, Deine Haftpflichversicherung hält was drauf steht: Daß sie nämlich verpflichtet ist zu
haften wenn etwas passiert. Wer da nicht sicher ist oder meint, die Haftungssumme wäre zu
niedrig, der informiert sich im eigenen Interesse umfassend und wechselt im Zweifelsfall die
Gesellschaft. Ein Hund kann in drei Minuten Dein gesamtes Leben auf den Kopf stellen und
ALLE Deine Träume zunichte machen, wenn er einen Unfall mit ernstem Personenschaden
verursacht und die Versicherung das nicht übernimmt.
Das ist selten, kann aber wirklich leider sehr schnell gehen (deshalb sollen sich auch bitte bei
der Suche nach entlaufenen Hunden ALLE und IMMER extrem umsichtig verhalten und nie
versuchen einen Hund zu bedrängen! - im Zweifelsfall läuft der vor Menschen weg mitten in
den Straßenverkehr! Die Rechnung dafür bezahlt aber nicht der blöde Sucher, sondern der
Halter.)

Den Hund also nicht überall frei laufen zu lassen nur weil es so nett ist ihn laufen zu sehen,
oder weil der "doch auch mal frei sein muß", ist essentiell. Schließlich kann der Hund nur dann
immer wieder frei laufen, wenn man sich leisten kann einen Hund zu haben und der auch lebt.

Also.. vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.  wink.gif


Um aber zum Thema zurückzukommen:
Hat der Hund während er alleine unterwegs war einen Unfall verursacht, jemandem durch
Anspringen die Kleider zerrissen oder auch nur dreckig gemacht, ein Kind über den Haufen
gerannt, die Umugskiste auf dem Gehsteig angepieselt...
.. dann ist der nächste Schitt wo möglich mit dem Geschädigten zu sprechen, ggf mit der
Polizei - und bei Bedarf die (hoffentlich gute!) Versicherung zu informieren.

Die Versicherung schickt einem dann ein Formular mit allem, was sie wissen will und sagt
einem auch, was sie vom Geschädigten braucht etc.

Wenn die Polizei eingeschaltet wird muß man sich über den weiteren Verlauf auch nicht selber
kümmern - da gibt es dann entsprechend festgelegte Abläufe über die man informiert wird.

In jedem Fall braucht man die Adresse und Kontaktdaten des Geschädigten, und der die vom
Hundehalter. Das macht man sinnvollerweise auch, wenn der Hund nur in eine Rauferei mit
einem anderen Hund verwickelt war. Da schaut man sich den eigenen Hund vor Ort gleich an,
bittet den anderen Hundehalter seinen Hund anzuschauen bevor man sich wieder trennt - damit
beide wissen, was war. Nachträglich kann ja jeder alles erzählen... Trotzdem bleibt man in der
Verantwortung und soll ggf. auch erreichbar sein, falls zu Hause dann doch noch etwas sichtbar
wird.



So schlimm muß es natürlich nicht kommen.

Viele Hunde sind einfach "nur" eine Weile alleine unterwegs, räumen vielleicht einen Mülleimer
aus auf der Suche nach Futter, oder fressen Pferdeäpfel, fangen Mäuse ...  das ist alles kein
Thema.
Nur wenn ein Hund länger auf solche Recourcen angewiesen ist und das nicht gut kann, oder
gar mit Maulkorb (was für ein Albtraum) am Fressen gehindert war, ist der nach einer Woche
nur noch Haut und Knochen.

So wieder eingefangen/gefunden geht der am besten gleich einmal zum Tierarzt um untersucht,
und ggf. mit einem Tropf stabilisiert zu werden. Dann besorgt man sich beim Metzger reines
Rinderhackfleisch. Das muß nicht Tartar sein, man kann sich zum Beispiel ein Kg Gulasch
durchdrehen lassen - frisch und ohne zu viel Fett. Rinder-Muskelfleisch eben.

Das bekommt der Hund dann roh, in Abständen von ~ 30 Minuten immer einen Eßlöffel etwa
mit etwas Haferflocken gemischt (kommt ein bisschen drauf an - ein Yorkshire Terrier ist
wahrscheinlich mit einem Teelöffel alle 30 Minuten bedient.... ).

Vergeßt bitte für 2 Tage das Trockenfutter bei einem so ausgezehrten Hund, sorgt unbedingt
für genug frisches Wasser in jederzeit einfach erreichbarer Nähe - und laßt dem Hund Ruhe in
Eurer Gegenwart. Also nicht alleine lassen, sondern da sein, den Hund aber schlafen lassen.
Nur zum Gschäftl raus gehen, dann wieder Ruhe. 


Nach zwei Tagen ist so ein ausgehungerter Knopf in aller Regel wieder auf dem Damm -
extreme Fälle mal außen vor gelassen. Aber da braucht man dann auf jeden Fall auch den
Tierarzt dazu.
Es ist erstaunlich, wie schnell ein Hund mit so einer Miniportionen-Auffütterung wieder auf sein
ursprüngliches Gewicht kommt und sich erholt. Wahrscheinlich sorgt einfach die kontinuierliche
Aufnahme von Mineralstoffen über diese kleinen Futterportionen, daß der Körper das
getrunkene Wasser auch wieder in den Organismus einbaut und nicht ungenutzt gleich wieder
ausscheidet.
Die größte Gefahr ist die Austrocknung. Und man verkennt das wirklich leicht. 

Ob und in welcher Menge eine zusätzliche Versorgung mit Elektrolyten sinnvoll und gut ist
bespricht man bitte mit dem Tierarzt. Am besten wie gesagt ist der erste Weg zum Tierarzt,
damit man bei Bedarf so schnell reagiert wie eben möglich, nicht einen halben oder gar ganzen
Tag verliert und damit eventuell das Tier...



Im übrigen wünsche ich Euch, daß Ihr das nieeeeee erleben müßt - macht keinen Spaß -
versprochen. Aber zu wissen, wie man weiter machen kann ist vielleicht ein erster Schritt sich
selber wieder zu beruhigen und richtig zu reagieren.       
 smiley.gif


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KimC

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Mir ist es ja damals mit Jaroff passiert, gleich zweimal. Als ich mit ihn im Taxi (120 km, war teuer) nach hause gekommen bin, gab es ein wolkenbruch, und die Strasse stand unter 10 cm wasser. Ich bin über die Bordsteinkante gestolpert, und gefallen, habe dabei die Leine verloren, weg war er. Er war damals sehr scheu und nicht abrufbar. Er hat die leine hinter sich geschleppt, und ich hatte angst das er im Wald an ein allst damit hängen bleibt und so qualvoll verhungert/verdurstet. Ich hatter erwartet das er den Wald aufsuchten würde, weil er Menschenangst hatte.
Ich habe die Polizei verständigt, und die haben mir dann am nächsten tag angerufen. Er hatte sich mittem im Stadt, in die meist befahrene Verkehrskreuzung hingelegt. Ich dachte er wäre angefahren, aber nein. En Ladenbesitzer konnte ihn abführen und ich habe ihn im Laden abgeholt. Als er zuhause war, ahbe ich beim Bäcker mal eingekauft, und bei der Polizei und dem Ladenbesitzer meine dankbarkeit gezeigt.
Leider, gleich am nächsten tag wurde Jaroff von ein Hund ohne Leine angefallen, und er ist aus dem Halsband geschüpft, und weg. Ich habe ihn gesucht, und bin per Fahhrad in 3 tage 180 km gefahren. 
Gefunden wurde er abends von ein Landtierartzt . Er lag im wassergraben neben eine Strasse und konnte sein vorderbein nicht einsetzen. Der TA hat ihn mitgenommen (Jaroff war wehrlos, konnte nicht weglaufen) undim Klinik untersucht. Röntgenuntersuchungen ergabennichts. Der TA hat mich um 22 uhr angerufen, weil ich den Hund wieder als vermisst gemeldet hatte. Es wurde abgemacht das ich Jaroff am nächsten tag abholen konnte, er würde im Klinik den nacht verbringen.
Ich habe jaroff abgeholt, und musste diesmal eine geldbuse bezahlen (die Polizei hat gemeint einmal wäre ein Unfall, zweimal wäre Nachlässigkeit)  die Geldbuse musste ich beim TA bezahlen.
Allerdings hat der TA die Röntgenaufnahmen von der Rechnung gestrichen. Ursache für das ausfallen des Vorderbeins war - eine Klette! Das er die nicht selber gefunden hatte war ihn peinlich.
Jaroff sah nicht unterernährt aus. Man hatte ihn beim TA wasser gegeben, aber nichts zu essen. (falls er am morgen evtl wegen dem Bein operiert werden sollte) Jaroff hatte aber anscheinend nichts getrunken.

Zu Jaroff muss man sagen das er sein leben bis dahin in ein Stall gelebt hatte. Er konnte keine erfarung haben wie er sich selber ernährt. 3 Tage ohne essen durfte an ein so schlanker Hund zu sehen sein. Ausser Kletten und dreck im Pelz war er aber in guter fassung, irgendwie muss er sich ernährt haben. Da er von Menschen was bekommen habe halte ich bei sener Menschenangst für unwarscheinlich, er kann sich aber was geklaut haben.

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Von ein anderes Forum erinnere ich ein Fall wo ein Windspiel bei starker Frost, ohne Mantel entlaufen war. Das kann nicht gut gehen. Nach eine Woche wurde das Spielchen dennoch am leben gefunden. Der Hund hatte in eine Industrieanlage ein Plätzchen gefunden wo von eine Ventilationsanlage stets warmer Luft kam.

Windhunde sind halt nicht immer so fragil oder dumm.
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Oval 5

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Danke für Deine Erfahrungen! Es gibt viel mehr solcher Geschichten, als man so meint... 


2-3 Tage stecken Hunde meistens weg, ohne daß man ihnen etwas ansieht. Das gehört irgendwie in die natürliche Toleranz anscheinend.

Mal ein Schwank aus meinem Leben ...

Ich hatte meinen letzten Hund vor den Windhunden mal unterwegs "verloren". Er war mit etwa 9 Monaten angefahren worden weil ich den Verkehr falsch eingeschätzt hatte und danach völlig kopflos einfach nur noch gelaufen. Ich war fremd in der Gegend und nur für einen Tagesausflug mit Freunden dort unterwegs.
Nach ungefähr 2 Stunden vergeblicher Suche sind wir zurück gefahren nach Hause - der Freund hat mich damals einfach wieder eingepackt. Er wollte mich in dem Zustand nicht alleine dort lassen... Vielleicht war das gut.. weiß man's.

Zu Hause habe ich ein Foto von meinem Hund gesucht und einen Aushang gebastelt.
Computer hatten wir noch nicht,
Chip gab es nicht soweit ich mich erinnere,
Handys waren nicht verbreitet -
es ist eeeewig her.     

Am nächsten Tag war ich beim Kopieren. Es mußten ja 30 oder 40 Zettel werden.
Ich habe mir ein Auto geliehen - sowas hatte ich damals auch noch nicht - und bin bewaffnet mit meinen Zetteln, Tesafilm,  etwas Geld und genug zum Anziehen die 80 km gefahren und habe angefangen meine Zettel aufzuhängen in den Gemeinden in der Umgebung des Unfalls.
In den Gasthäusern habe ich die Jäger erfragt und mit denen gesprochen.
Eine Kleinanzeige habe ich im Lokalanzeiger aufgegeben - da bin ich damals auch noch direkt hin gefahren  icon_mrgreen.gif
Heute macht man das alles telefonisch und per Internet...

Die Zettel hingen nach dem Tag an jeder Kirche und jedem Laden und an den Bushaltestellen in der Umgebung von geschätzten 10 km.
Die Kleinanzeige kam 2 oder drei Tage später in die Haushalte als Postwurf.. wie das eben so ist.

Die Nacht danach hatte ich auf einem Parkplatz verbracht im Auto - da wo mein Hund angefahren worden war. Irgendwann kam eine Frau, die einen Hund totgefahren hatte und meinte, das wäre meiner gewesen.
Aber der Hund im Straßengraben, der ihr Auto kaputt gemacht hatte war ungefähr doppelt so schwer wie meiner..
Eine ziemliche Achterbahnfahrt der Gefühle.
Und all die dummen Sprüche  shocked.gif  Man muß wirklich genug Adrenalin im Blut haben um das alles auszuhalten.

Nachdem keine Spur von meinem Herzl zu sehen war - niemand hatte irgendwas gesehen - bin ich ziemlich zerstört wieder nach hause gefahren.
Ich hatte meinen ersten Hund, der ja ständig stiften gegangen war, irgendwann überhaupt nicht wieder bekommen (und weiß bis heute nicht was da passiert ist). Das kam natürlich dann auch alles wieder hoch.


Nach einer ganzen Woche klingelte das Telefon...
Ein Hund auf den die Beschreibung paßte, war seit Tagen neben einem Rehgehege gestreunt und der Besitzer wollte den Jäger rufen. Ein Arbeiter dort hat das mitbekommen, seine Frau angerufen und die war gemeinsam mit der Tochter gekommen - bewaffnet mit Frolic und dicken Handschuhen - um den Streuner vor dem Jäger zu retten.
Naja - am Halsband war die Telefonnummer - nur ohne Vorwahl.......  rolleys.gif
Aber ein Anruf bei deren Tierarzt hatte wohl meinen Aushang zum Vorschein gebrach. 

So bin ich dann damals mit meiner Mutter dort hin gefahren und wir haben meinen kleinen Hungerhaken wieder nach hause geholt. Der war sowieso immer ein Fliegengewicht.
Ich hatte vorher keinen Hund gesehen, der sich so gefreut hat - 10 Minuten ist er im Kreis getanzt vor Freude, als er begriffen hatte wer da zur Türe rein gekommen ist, und dabei war nicht klar, wo er die Kraft noch her nimmt.
Bis heute könnt ich die Familie busseln dafür, daß sie sich damals gekümmert haben! So toll!
 
Nach der Woche alleine draußen war er so leicht gewesen, daß er den Hunden aus der Horrorecke hier Konkurrenz gemacht hätte - das Fell hat das verdeckt, aber wenn ich von eßlöffelweise füttern schreibe, dann weiß ich wovon ich spreche.
Nach zwei oder drei Tagen war er wieder "normal". Er ist ein leichter Hund geblieben. Er war halt so. Hat gerne die Hälfte stehen gelassen. Auch in den nächsten 14 Jahren.


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