Futterwahn und „Ratgeberitis“

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Autor Thema: Futterwahn und „Ratgeberitis“  (Gelesen 5163 mal)

Timido

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Futterwahn und „Ratgeberitis“
« am: 16.09. 2012, 19h30 »

Da es immer wieder heftige Streitgespräche zum Thema Hundefütterung gibt, habe ich mir einige Gedanken dazu gemacht  wink.gif:


Futterwahn und „Ratgeberitis“
Ratgeberitis= Offensichtlich hoch ansteckende und epidemisch verlaufende Krankheit, die erfolgreich die Benutzung des „gesunden Menschenverstandes“ verhindert.

Von der Wiege bis zur Bahre nicht nur Formulare, sondern auch Ratgeber. –
Oder kennen Sie irgendeinen Bereich des täglichen körperlichen, geistigen und seelischen Lebens – vom Aufstehen bis zur Nachtruhe - für den es nicht eine Vielzahl von ultimativen, einzig selig machenden, dogmatischen Anweisungen gibt, die sich dann auch noch gegenseitig widersprechen??
Wenn man sich das Alles ansieht, anhört und liest, drängt sich einem der Eindruck auf, die Menschheit bestünde nur noch aus unmündigen, unreifen und lebensuntüchtigen Kreaturen, die auf Schritt und Tritt durchs Leben geleitet werden müssen und bei denen unbedingt eigene Erkenntnisse, Erfahrungen oder gar Gedanken verhindert werden sollen!
Falls Sie da noch irgendwo eine Lücke entdecken – frisch ans Werk – dafür muss natürlich auch sofort ein Ratgeber her (vielleicht eine Anweisung zum Umgang mit Ratgebern?)! –
Ist es Ihnen in letzter Zeit irgendwann gelungen, den Fernseher einzuschalten, ohne in eine Kochsendung voller fröhlich vor sich hin kochender, brutzelnder und miteinander Witze und Rezepte austauschender Köche zu geraten?? –
Wobei wir beim eigentlichen Thema – dem „Futterwahn“ wären! –
Es ist ja nun nicht so, dass wir bei der Befolgung all dieser Ratschläge und Ess-Anweisungen noch für irgendetwas Anderes Zeit hätten – aaaaaaaaaber – wenn es um das „Fresschen“ für unsere Lieblinge geht, nehmen wir sie uns einfach!! –

Hier nun geht es nicht minder kompliziert zu, als bei der menschlichen Ernährungslehre – jede dieser „Fressfraktionen“ verteidigt
ihre „Fresslehre“ leidenschaftlich und stützt sich natürlich jeweils auf die allerneuesten Erkenntnisse der Wissenschaft. –
Da meinen die Einen, wir müssten unsere Hunde ernähren wie die Wölfe – sagen uns aber nicht, wie welche Wölfe – den grossen Nordischen – oder eher den kleineren Südlichen (deren Beute ja durchaus unterschiedlich ausfällt!).
Allerdings ist auch durchaus nicht logisch nachvollziehbar, weshalb das so sein sollte, denn unsere Hunde sind ja nicht gerade erst aus dem Wolf entstanden, sondern vor mindestens 15.000 Jahren!! –
Wie wurden unsere Hunde nun In diesen 15.000 Jahren ernährt???
Ganz sicher wurden sie genau so ernährt, wie es noch immer in all den Weltregionen üblich ist, wo die Futtermittelindustrie noch nicht regiert – sie bekamen und bekommen die Reste der „menschlichen“ Nahrung – sorgen für die Abfallbeseitigung und leisten so u.a. einen wichtigen Beitrag zur „Lagerreinheit“.
„Hundefutter“ – so etwas gab es nicht in meiner „Nachkriegs-Kindheit“. – Diese Kindheit fand aber durchweg mit Hunden statt – sie bekamen ihre Ration aus den Resten unserer kargen Mahlzeiten! –
Etwas ganz Besonderes war es, wenn ich gelegentlich meinen Vater auf dem Fahrrad begleiten durfte, um aus einer weit entfernten „Abdeckerei“ Fleisch für den Hund zu holen. Das wurde dann auch noch gekocht – und wenn ich an „Gestank“ denke, dann denke ich an diese besonderen Fleischmahlzeiten für den Hund!
Nach heutigem „Erkenntnisstand“ müssten diese Hunde ständig krank gewesen sein – das war jedoch nicht der Fall – vielmehr waren es muntere und leistungsfähige „Gebrauchshunde“. Zu heutigen Hunden gab es allerdings einen entscheidenden Unterschied: Damals habe ich nie einen übergewichtigen Hund gesehen!!

Die Futtermittelindustrie andererseits versucht ständig, uns davon zu überzeugen, dass wir überhaupt nicht wissen können, was unser Hund wirklich braucht – das Alles wäre viiiiiiiiiiiiel zu kompliziert – also bitte nur Fertigfutter verfüttern!! –
Ja und nun – Trocken- und/oder Nassfutter – in unzähligen verschiedenen  Zusammenstellungen – da scheiden sich nun wiederum die Geister! – Die Einen schwören darauf – die Anderen verteufeln es – und sowohl die „Marke“, als auch der Preis haben eine ganz entscheidende Bedeutung - „Für meinen Liebling nur das Beste!“ = das Teuerste!
Dabei würde es sich durchaus lohnen, sich immer wieder die Tests der „Stiftung Warentest“ und „Ökotest“ anzusehen: Dort könnte man nämlich lernen, dass „teuer nicht gleich gut“ ist.
Wenn dann gelegentlich bekannt wird, was da Alles ins Fertigfutter gemischt wird, muss man schnellstens die „Ekelbremse“ anziehen! –
Dann gibt es noch Vegetarier und Veganer, die unbedingt ein „Raubtier“ im Haus haben wollen – dieses Raubtier soll nun aber auch vegetarisch, bzw. vegan leben. –
Fantastisch – da sollen die Einen fressen, wie die Wölfe – die Anderen sollen zu Vegetariern umerzogen werden!! –
Der umgekehrte Weg – als nämlich Kühe mittels Fleischmehl zu „Fleischfressern“ gemacht werden sollten, ist jedenfalls gehörig in die Hose gegangen – erinnern Sie sich noch an BSE?? –
Nachdem Sie nun bis hierher alles gelesen haben, wissen Sie überhaupt nicht mehr, wie Sie Ihren armen Liebling ernähren sollen?? –

Soll ich Ihnen einen Rat(geber!) geben?? –
Also bitte:
Machen Sie was Sie wollen – vermeiden Sie Alles, was erwiesenermassen schädlich oder gar giftig ist - auch hier gilt natürlich: Die Dosis macht das Gift – hinterfragen Sie kritisch allzu euphorische Werbesprüche und bitte – benutzen Sie Ihren, hoffentlich gesunden, Menschenverstand!!

Monika Giese im Juni 2009




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Oval 5

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #1 am: 22.09. 2012, 01h13 »

 lol_27.gif prima :-))))))))))))))))))))))))))))

Ist ja nicht so, daß ich nicht auch auf so manches achten würde und sich das - man soll
es nicht glauben - tatsächlich an der einen oder anderen Stelle auch bewährt hätte. 
Wenn so ein schwarzes Fell dann doch noch mal mehr Glanz bekommt, ist das einfach
unübersehbar..

Trotzdem hab ich grad richtig Spaß gehabt und herzhaft lachen können.
Es ist so wahr und so traurig, wenn man weiß wie selbstverständlich und unkompliziert
man mit einem gesunden Hund leben kann und was die modernen Vorstellungen da draus
gemacht haben.

Da kriegt der Hund Gelée Royale ins Futter  shocked.gif
derweil anderswo das Geld für die Hirse nicht reicht, um die Kinder zu ernähren.
Das Thema ist so uferlos. Insofern hat mir Dein Ton da grad so richtig gut getan.


Wenn man das Thema wenig dogmatisch betrachtet, also
- Ernährung, Futter und Nährstoffbedarf bei den unterschiedlichen Anforderungen -
finde ich es ausgesprochen spannend.
Nur wo es abgleitet in die Ausschließlichkeit der -ismen möcht man manchmal einfach nur
noch laut HALT brüllen :-)


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heiwak

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #2 am: 22.09. 2012, 06h09 »

Wunderbar geschrieben - du sagst genau das, was ich seit Jahren behaupte: der Hund wurde schon immer von den Resten der Menschen ernährt.  greyTs_kiss.gif

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Timido

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #3 am: 22.09. 2012, 13h37 »

 greyTs_kiss.gif
Danke - es freut mich, dass es Euch gefällt! - Ich konnte einfach diese immer wiederkehrenden Debatten über die "richtige" Hundenahrung einfach nicht mehr ertragen  wink.gif.
Neulich bei VOX übrigens - Nina Ruge will ihren Welpen mit M. Rütters Hilfe erziehen! - DER empfiehlt Käsehäppchen zur Belohnung - darauf Ruge SEHR alarmiert:" Aaaaaaaber - Welpen dürfen doch NUR Trockenfutter bekommen!!!!!" .............
All dieser Quatsch ist wirklich unerträglich  icon_mrgreen.gif
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heiwak

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #4 am: 22.09. 2012, 15h46 »

Na ja, heutzutage wird man ja schief angesehen wenn man so einen Standpunkt einnimmt.  shocked.gif 

So circa sehen meine Dialoge mit Bekannten oft aus: :'( neu

"Um Himmel willen - deine Hunde bekommen vom Tisch???"
Ja  klimper.gif bekommen sie uuuuuund nein - sie betteln nicht!  wink.gif Uuuuuund: je besser es mit Knoblauch und Zwiebel gewürzt ist, desto lieber haben sie es.  smiley.gif Neeeeiiiiin! Ich vergifte meine Hunde nicht mit Zwiebeln!  undecided.gif Irgendwann im 19. Jhd. hat ein Arzt ein Experiment gestartet:  prediger.gif die Hunde mussten mehrere Kilo rohe Zwiebeln fressen - seither heisst es Zwiebeln sind giftig für Hunde. Ich glaube ich würde auch sterben wenn ich mehrere Kilo rohe Zwiebeln auf einen Sitz essen müsste, das ist wie der blöde Kommafehler beim Spinat!  icon_mrgreen.gif


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Oval 5

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #5 am: 23.09. 2012, 04h41 »

Kommafehler beim Spinat??

Was hat es da?
 

Ich könnt mich grad kringeln mit Euch - kiloweise rohe Zwiebeln und dann lachen statt weinen ..
Nicht schlecht  tongue.gif
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heiwak

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #6 am: 23.09. 2012, 07h05 »

Vor 100 Jahren hat sich jemand beim Schreiben einer Nährwert-Tabelle um eine Kommastelle vertan. Seitdem wird Spinat 10 mal mehr Eisen zugesprochen als er wirklich hat, der tatsächliche Eisengehalt von 2,9 mg in 100 g Spinat wurde plötzlich zu 29 mg.  prediger.gif
Und tatsächlich können Zwiebeln auf Hunde tödlich wirken - wenn man damit nach ihnen wirft. klimper.gif
Eine toxische Wirkung tritt in Form einer Anämie erst nach Verabreichung von über 50 g/kg Körpergewicht über 2 Tage lang ein.
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Oval 5

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #7 am: 23.09. 2012, 07h10 »

 lol_27.gif
Ich kugel hier gleich unter den Tisch.. ^^ *gggggg* :-))))))   lipsreleased.gif  :'( neu
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Joker

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #8 am: 25.04. 2014, 21h10 »

Der Druck bezüglich "richtiges" Hundefutter auf Hundehalter ist gewaltig. Mittlerweile reagiere ich selbst sehr gereizt auf dieses Thema, weil es, je nachdem mit welchem Vertreter welcher Fraktion ich spreche, dazu führt, dass ich mich zum Schluss entweder als "Hundevernachlässigerer" oder als "Hundeverwöhner" fühle. Genauso ist es für mich ein Reizthema, wenn mich andere Hundehalter fragen, was denn mein schlanker Hund zu fressen bekomme, ihr eigener sei (angeblich) viel zu dick "sagt der Tierarzt"(!). Wenn ich erkläre, dass ich seit Jahren versuche darauf zu achten, dass Kalorien/Fett/Eiweiß in einem passenden Verhältnis zur Bewegung stehen, dann sehe ich am Gesichtsausdruck meines Gegenübers, dass nichts verstanden wird. Auch Hinweise darauf, dass einige Nährstoffangaben auf der Verpackung stehen, falls Fertigfutter gefüttert wird, wird nicht umgesetzt. Aus irgendeinem Grund ist die Versorgung unserer Hunde mit Futter mittlerweile viel wichtiger als unsere eigene. Für die Hunde kaufe ich über die Feiertage großzügig ein, aber für mich selbst vergesse ich Brot und Milch  rolleys.gif.
Joker
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greyT

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #9 am: 26.04. 2014, 06h25 »

Hallo Joker - schön, daß Du her gefunden hast  umarmen.gif

Ich finde das Thema Futter eigentlich nicht uninteressant, aber solange ich meinen Hunden nichts großartig abverlange, bin ich eigentlich ziemlich.. naja.. einfach gestrickt. Hunde brauchen halt was zu Fressen, das soll ihnen schmecken und es soll ihnen geben, was sie brauchen. Ich bewege mich sicher irgendwo im Mittelmaß mit dem was ich so mache. Stimmt aber schon, daß man manchmal vor lauter unumstößlichen Wahrheiten nicht mehr so recht weiß, ob man selber noch mit beiden Beinen am Boden steht.
Aber ich denke, man muß da durch und irgendwann kommt der Punkt, wo man einfach wieder klar sieht und eben den eigenen Stil realisiert, wo man sich einfach nicht mehr verunsichern läßt.

Und daß viele eher gucken wie ein Auto, wenn da jemand was von Futterrationen angepaßt an die Belastung spricht, kann ich mir lebhaft vorstellen - wenn man deren Hundehaltung genauer anschaut, wird da wahrscheinlich nicht so viel unterschied geboten sein, daß es sich lohnt darauf einzugehen?

Bis ich mir aber über's Hundefutter mehr Gedanken mache, als über mein Essen, wird wohl noch ein bisschen Wasser die Isar runter gehen   tongue.gif


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Joker

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #10 am: 06.05. 2014, 17h40 »

Die Hundehaltung möchte ich gar nicht kritisieren, aber wenn der Tierarzt darauf hinweist, dass der Hund zu dick sei, dann könnte ein Eigentümer nach kurzem Schmollen mal das Nachdenken beginnen. Es muss sicher kein sogenanntes Markenfutter gefüttert werden. Aber wenn ein durchschnittlicher, gesunder Hund nur einen Gassigang von 45 Minuten täglich ohne intensive Belastung erhält, ansonsten auf dem Sofa klemmt, dann braucht der meiner Meinung nach kein Futter mit 24 % Eiweiß und 18 % Fett. Wo sollen denn die ganzen Kalorien umgesetzt werden? Zusätzlich zu Schweineohren und Ochsenziemer? Oder diese Zahnpflegedinger und was es sonst noch so gibt. Leider geben Tierärzte zu wenig Hilfestellung, denke ich. Dort scheint ein größeres Interesse zu bestehen das sehr teure Diätfutter zu verkaufen, was in den meisten Fällen gar nicht nötig ist. Natürlich gibt es auch Tierärzte, die sich viel Mühe geben, aber beim Besitzer auf taube Ohren stoßen. Dann kann man eben nichts machen und Hund bleibt fett. Futter ist eben nicht gleich Futter, äh, und ja, Hundefutter ist mir wichtig  smiley.gif.

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KimC

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Re: Futterwahn und „Ratgeberitis“
« Antwort #11 am: 06.05. 2014, 21h46 »

Zo oft hat der Tierartzt da eine Dobbeltrolle, die ihn etwas an Glaubwürdigkeit einbüsen lässt. Als ich noch neuer und unerfarener Hundehalter war, hat mein damaliger TA gedroht mich wegen Tieresmisshandlung anzuzeigen, weil ich kein Royal Canin futterte. Es musste unbedingt RC sein (was übriges beim TA käuflich zu erwerben war).
Ich weigerte, und tatsächlich war an mein Hund nichts auszusetzen. Diejenige die ausscliesslich mit RC fütterte, entdeckte das ihre Hunde mangelerscheinungen bekamen. Damals war RC chemish rein von Vitamin B, weil man meinte Hunde könne die nicht vertragen.
Heute wollen Tierärtzte Hills verfüttern, was mich an Hills stutzig macht, ist die total fehlende Innhaltsdeklaration, die es eigentlich geben müsste. Die gibt es bei Hundefutter vom Discounter, sogar mit grosse lesefreundliche buchstaben.
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