Percy Allan zu den Möglichkeiten für die Australische Rennindustrie

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Autor Thema: Percy Allan zu den Möglichkeiten für die Australische Rennindustrie  (Gelesen 1080 mal)

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Im Guardian ist eine Stellungnahme von Percy Allan abgedruckt zu den Problemen der
Australischen Greyhound-Rennindustrie und wie man damit umgehen kann. Ich habe
den Text übersetzt, weil ich es für wichtig halte, diese Gedanken wirklich richtig zu
verstehen.
Wie man zuletzt dazu steht bleibt ja jedem selber überlassen.

 
Zitat von: .theguardian.com, 27.1.16
Originaltext, 27 January 2016 22.52 GMT
Letzte Änderung (Stand 7.2.16) 28 January 2016


Das Töten von Hunden ist das Haupt-Tierschutzproblem
der Greyhound-Rennen. So kann man es beenden.


Percy Allan (War der erste Vorsitzende von Greyhound Racing NSW von 2003-2012)
27 January 2016

Jährlich werden (in Australien) rund 15.000 Greyhounds eingeschläfert, weil ihre Rennkarriere
vorbei ist. Durch Umstrukturierung der Rennen und Änderungen der Standards könnte der
"Tierabfall" eingedämmt werden.


Wie jeder Heimtierbesitzer weiß, ist es tragisch ein Tierleben frühzeitig zu beenden, es muß
aber nicht grausam sein. Jährlich werden in Australien 15.000 Pferde erschossen und die
gleiche Zahl von Greyhounds eingeschläfert, weil ihre Rennkarriere beendet ist.
 
“Animal wastage” (wörtl: Tierverbrauch oder Tierabfall - konkret Einschläfern gesunder Hunde)
ist das vordringliche Tierschutzproblem bei den Rennen. Wie abscheulich es auch sein mag,
soll "live baiting", von einer kleinen Gruppe von Trainern, die dafür zurecht aus dem Sport
ausgeschlossen wurde, versteckt praktiziertes ("Training" mit lebenden Köder-Tieren) davon
nicht ablenken.
 
Greyhound Rennen begann als Coursing (eine inszenierte Jagd nach lebenden Hasen auf einem
Feld), aber mit der Einführung der mechanischen Beute auf der Rennbahn 1912, verschwand
das live bating zunehmend und wurde 1953 komplett verboten.
2006 hat die Regulierungsbehörde des Sports in New South Wales (GHRRA) eine Tierschutz-
Bestimmung veröffentlicht, um diesem Verbot Nachdruck zu verleihen - das erste Renn-
Rechtssystem Australiens, das dies tat. 
 
Ich dachte als ich als Vorstand von Greyhound Racing NSW (GRNSW) vor vier Jahren
ausgeschieden bin, gab es nach meinem Wissen keine Anzeige über life baiting an GRNSW bis
vor 2 Jahren erste Behauptungen aufkamen. Im Februar 2015 lieferte Animals Australia den
Nachweis. Der betraf eine privat geführte Trainingsbahn, nicht öffentliche, vom Racing Club
betriebene Rennbahnen. 

Die große Mehrheit der Greyhound Besitzer und Trainer verpflichten sich dem Tierschutz. Dies
wird getragen vom Prüfungskomitee, das das Parlament von NSW erwählt hatte, das angibt,
nur 0,4% aller bei der RSPCA gemeldeter Tierschutzvergehen für die drei Jahre bis 2012-2013
beträfen Greyhounds.
 
Eine extra Ermittlungs-Komission untersucht Wege zur Verringerung von animal wastage
(Tierabfall/Einschläferung gesunder Hunde) durch Greyhound-Rennen in NSW. Hier sind meine
Ansichten dazu, wie man das alles auf einmal beenden kann, ohne den Sport aufzugeben.


Neuorganisation des Renngeschehens

Es sollte möglich sein jährlich 2000 Greyhounds innerhalb Australiens zu vermitteln ausgehend
von den 834 Vermittlungen 2014-2015 in Victoria.

Der Sport könnte landesweit 8000 Greyhounds zur Verfügung haben ohne "Abfall" zu
benötigen, wenn einer von 4 Rennhunden jährlich verrentet würde (bei einer angenommenen
vierjährigen Rennkarriere und minimaler Todesrate außer durch natürliche Ursachen bevor der
Hund in's Rennen geht). Das entspräche der derzeitigen Population von 55.000 Hunden. 

Von diesen 8000 Greyhounds wären beinahe 3200 noch zu jung (bis 18 Monate) und
Zuchthündinnen (mit einer durchschnittlichen Wurfstärke von 6-7 Welpen im Jahr) und 4800
Rennhunde (im Alter zwischen 18 Monaten und 4 Jahren).   

Eine aktive Greyhound-Rennstätte (mit fünf Veranstaltungen je Woche à zehn Rennen mit je
acht Startern) bräuchte 360 Hunde vor Ort im Alter zwischen 18 Monaten und vier Jahren bei
angenommen jederzeit fast 3/4 aktiven mit 3 Rennen in 14 Tagen.

Zusätzlich dazu 216 Junghunde unter 18 Monaten und 22 nicht an den Rennen beteiligte
Zuchthündinnen. Zusammen knapp 600 Hunde je Veranstaltungsort. Bei 8000 Hunden
landesweit wären so 13 Veranstaltungsorte möglich.

Wenn NSW vier solche Veranstaltungsorte betreiben würde (mit je 260 Rennveranstaltungen
jährlich), könnte es jährlich 1040 Rennveranstaltungen durchführen, was die für die von
GRNSW für TAB Sportwetten vertraglich zugesicherten mindestens 572 Renn-Veranstaltungen
jährlich überschreiten würde, aber weniger wäre als die 1253 Veranstaltungen im Jahr 2015.
   
Ein Greyhound-Rennen dauert üblicherweise 30 Sekunden. Die Hunde werden nicht geritten,
gepeitscht, eingeschirrt oder gezwungen zu springen in den Rennen. Es macht ihnen als
Hunden Spaß der mechanischen Beute hinterher zu jagen, die von einer Maschine bewegt wird.


Gesellschaftsnormen

Es sollte möglich sein Greyhound-Einschläferungen praktisch zu verhindern mit der Umsetzung
eines Körperschaftsmodells wie oben skizziert, das Greyhounds effektiver einsetzt (indem die
Hunde beim Veranstaltungsort leben und 3 Rennen bestreiten alle 2 Wochen). Aber es würde
das Ende bedeuten für die gewöhnlichen Teilnehmer als Züchter, Besitzer oder Trainer.

Eine abgeschwächte Form des Körperschaftsmodells (als "Rationalisierung" benannt) wurde
2003 von GRNSW als eine von drei möglichen Strategien geprüft, aber von Teilnehmen und
Vorstand zurückgewiesen worden, weil es das Sozialgefüge des Sports, speziell die ländlichen
Renn-Clubs bedroht hätte.

Im Jahr 2009 übernahm GRNSW das Rennhunde-Vermittlungs-Programm und die jährlichen
Vermittlungszahlen erhöhten sich von nur einer Hand voll auf hunderte jährlich, aber es waren
zu viele jährlich gezüchteter Rennhunde, um die Rate der Einschläferungen drastisch zu
vermindern.

Wenn Gesellschaftsnormen jetzt eine Null-Einschläferung vorschreiben für Greyhound-Rennen,
kann die Wahl zwischen dem status quo einerseits und dem Körperschaftsmodell andererseits
möglicherweise nicht länger bestehen, eher die Adaption des Körperschaftsmodells als Vorzug
gegenüber einem kompletten Ende der Hunderennen wie es in 39 Staaten der USA besteht.

Die vier Körperschaften für NSW könnten von den Renn-Vereinen betrieben werden, die sich
über die letzten dutzend Jahre durchgehend mit überdurchschnittlichen GRNSW's Betreiber-
Standards hervorgetan haben.

Eine Variante zum Körperschaftsmodell wäre, wenn Einzelpersonen als Züchter und Trainer ihre
Hunde an die Bahnbetreiber vermieten würden, obwohl dabei die Kosten für Rennverwaltung
und Tierschutzkontrollen höher wären, als bei einer Unterbringung der Hunde am
Veranstaltungsort
(Anm zur Übersetzung: Australien ist sehr weitläufig. Die Anfahrt kann aus europäischer Sicht
unvergleichlich lange Wege bedeuten.) 

Das würde den normalen Bürgern die Möglichkeit geben weiterhin an dem Sport teilzunehmen,
die Population von Renn-Greyhounds müßte dabei trotz allem auf 8000 reduziert werden (jährlich).

Und zum Abschluß, wenn Rationalisierung oder Schließung der Greyhound-Rennen angeraten
wird, sollte gleiches auch für die Pferderennen gelten, wo die Tötungsrate ebenso hoch ist.
Anderenfalls würde es den Sport der Krieger in's Visier nehmen und den der Könige
verschonen. Greyhound-Liebhaber würden das für Klassenkampf nicht für Tierschutz halten.
Übersetzung Oval@greyts.eu


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